Methodik

Unternehmenswert ermitteln: Methoden, Kennzahlen und ehrliche Bandbreiten

Den Unternehmenswert zu ermitteln ist keine Geheimwissenschaft. Es ist Rechenarbeit mit klaren Regeln, und die wichtigsten davon können Sie in zehn Minuten verstehen. Wer sie kennt, erkennt sofort, ob eine Bewertung solide gebaut ist.

Auf dieser Seite erklären wir, wie der Firmenwert im Mittelstand berechnet wird: von der Bereinigung des Ergebnisses über den EBITDA Multiplikator und den Discounted Cashflow bis zur Überleitung auf den Eigenkapitalwert. Am Ende wissen Sie, warum eine Bandbreite mehr Aussagekraft hat als eine einzelne Zahl.

Schritt eins: das bereinigte EBITDA

Jede Bewertung beginnt mit der Frage, was das Unternehmen wirklich verdient. Im eigentümergeführten Mittelstand weicht das ausgewiesene Ergebnis fast immer vom nachhaltigen Ergebnis ab, weil Privates und Betriebliches über die Jahre zusammengewachsen sind. Diese Bereinigung nennt man Normalisierung, und sie ist der wichtigste Schritt der ganzen Rechnung.

Das Ergebnis ist das bereinigte EBITDA. Es ist die Zahl, über die später verhandelt wird, und jede Bereinigung sollte belegbar sein.

  • Geschäftsführergehalt. Zahlen Sie sich selbst wenig aus oder deutlich mehr als marktüblich, wird auf ein Gehalt normalisiert, das ein angestellter Nachfolger kosten würde.
  • Miete an eigene Gesellschaften. Liegt die Miete für die Betriebsimmobilie über oder unter dem Marktniveau, wird die Differenz herausgerechnet.
  • Private Aufwendungen. Fahrzeuge, Versicherungen oder Reisen, die ein fremder Dritter so nicht tragen würde, gehören nicht in das nachhaltige Ergebnis.
  • Einmaleffekte. Ein Rechtsstreit, ein Großauftrag oder eine Abfindung verzerren das Bild und werden bereinigt, in beide Richtungen.
  • Familienangehörige in der Lohnliste. Auch hier wird auf marktübliche Vergütung normalisiert.

Das Multiplikatorverfahren

Beim Marktvergleich wird das bereinigte EBITDA mit einem Faktor multipliziert, der sich aus Kaufpreisen für vergleichbare Unternehmen ableitet. Die Logik dahinter ist einfach: Ein Käufer zahlt ein Vielfaches dessen, was der Betrieb jährlich erwirtschaftet.

Der Multiplikator ist kein Naturgesetz. Er hängt an Branche, Größe, Wachstum, Margenniveau, Kundenstruktur und daran, wie abhängig das Unternehmen von seinem Inhaber ist. Zwei Betriebe mit identischem EBITDA können deutlich unterschiedlich bewertet werden, und der Grund dafür liegt fast immer in diesen Qualitätsmerkmalen.

Deshalb nennen wir nie einen pauschalen Faktor, sondern legen offen, welche Spanne wir ansetzen und warum. Genau an dieser Stelle wirken Werthebel wie wiederkehrende Erlöse, Vertragsstruktur und Reporting unmittelbar auf den Kaufpreis.

Der Discounted Cashflow

Der Discounted Cashflow geht anders vor. Er fragt, welche freien Zahlungsüberschüsse das Unternehmen in den kommenden Jahren erwirtschaftet, und rechnet diese auf den heutigen Tag zurück. Je später und je unsicherer ein Zahlungsstrom, desto weniger ist er heute wert.

Die Rückrechnung erfolgt über die Kapitalkosten, in denen Zinsniveau und Risiko des Geschäftsmodells stecken. Dazu kommt ein Fortführungswert für die Zeit nach dem Planungshorizont, der oft den größeren Teil des Ergebnisses ausmacht.

Der Vorteil dieses Verfahrens: Investitionsbedarf, Kapitalbindung und Wachstum werden explizit sichtbar. Wer viel Kapital in Lager und Forderungen bindet, sieht im Discounted Cashflow sofort, was ihn das kostet.

Vom Unternehmenswert zum Eigenkapitalwert

Beide Verfahren liefern zunächst den Wert des operativen Geschäfts, den Unternehmenswert. Das ist noch nicht das, was bei Ihnen ankommt. Um zum Eigenkapitalwert zu gelangen, wird die Nettoverschuldung abgezogen, also verzinsliche Verbindlichkeiten abzüglich liquider Mittel.

Diese Überleitung erklärt viele Missverständnisse. Ein Unternehmen mit hohem Bestand an Bankverbindlichkeiten kann operativ stark sein und trotzdem einen deutlich geringeren Erlös für den Gesellschafter bringen. Umgekehrt erhöht angesparte Liquidität den Eigenkapitalwert unmittelbar.

Auch deshalb ist die Freisetzung von gebundenem Kapital ein echter Werthebel. Wer Lagerreichweiten und Zahlungsziele in den Griff bekommt, senkt die Nettoverschuldung und hebt damit den Wert, ohne einen Euro mehr Umsatz zu machen.

Warum eine Bandbreite ehrlicher ist als eine Zahl

Eine Bewertung besteht aus Annahmen. Wachstum, Marge, Kapitalkosten und Multiplikator sind Einschätzungen, keine Messwerte. Wer daraus eine einzige Zahl mit zwei Nachkommastellen macht, verkauft Ihnen Sicherheit, die es nicht gibt.

Wir arbeiten deshalb mit Spannen und zeigen, welche Annahme die Spanne wie stark bewegt. Das ist unbequemer, aber es ist die Wahrheit, und es bereitet Sie auf genau die Diskussion vor, die Sie später mit einem Käufer führen werden.

Der zweite Vorteil: Eine Bandbreite macht Fortschritt messbar. Wenn sich nach zwei Jahren Arbeit an den Werthebeln die gesamte Spanne nach oben verschiebt, ist das ein belastbares Signal.

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Häufige Fragen

Was Inhaber dazu am häufigsten fragen

Wie berechnet man den Unternehmenswert?
In vier Schritten: Ergebnis normalisieren, dann über den EBITDA Multiplikator und den Discounted Cashflow bewerten, die Ergebnisse zu einer Spanne zusammenführen und schließlich die Nettoverschuldung abziehen. Wichtig ist, dass jede Annahme offenliegt. Ohne die Annahmen ist eine Bewertungszahl wertlos.
Welcher EBITDA Multiplikator gilt für mittelständische Unternehmen?
Einen allgemeingültigen Faktor gibt es nicht. Er hängt von Branche, Unternehmensgröße, Wachstum, Margenniveau, Kundenverteilung und Inhaberabhängigkeit ab. Seriös ist nur eine begründete Spanne, bei der nachvollziehbar ist, warum ein Unternehmen am oberen oder am unteren Ende liegt.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Eigenkapitalwert?
Der Unternehmenswert bemisst das operative Geschäft unabhängig von seiner Finanzierung. Der Eigenkapitalwert ist das, was für die Gesellschafter übrig bleibt, also der Unternehmenswert abzüglich Nettoverschuldung. Wer beide Begriffe verwechselt, kommt bei Kaufpreisverhandlungen schnell zu falschen Erwartungen.
Kann ich meinen Firmenwert selbst berechnen?
Für eine Orientierung ja, dafür gibt es unsere kostenlose Wertindikation mit acht Angaben. Für eine belastbare Wertspanne braucht es die saubere Bereinigung des Ergebnisses, eine Einordnung des Geschäftsmodells und den Blick von außen auf Risiken, die man im eigenen Betrieb selten sieht.
Nächster Schritt

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